Häufig gestellte Fragen zu anarchistischer Wirtschaft

Dieser Text enthält häufig gestellte Fragen zu anarchistischer Wirtschaftsweise und deren Antworten. Er konzentriert sich auf die anarcho-kommunistische Variante des Anarchismus. Die Antworten geben die Meinung der Autor*in wieder und repräsentieren nicht die Ideen einer Organisation. Die Antworten sind absichtlich kurz und prägnant gehalten.

Was ist die Definition von Wirtschaft (als Wissenschaft)?

In der Wirtschaft geht es um die Produktion und Verteilung von Ressourcen, Waren und Dienstleistungen. Es geht darum, was wir der Natur entnehmen, was wir schaffen und wer was bekommt. Da diese Themen für unsere Existenz von zentraler Bedeutung sind, sollten wirtschaftliche Entscheidungen Teil unseres täglichen Lebens sein.

Was ist eine Wirtschaft?

Eine Wirtschaft ist eine Form der Umsetzung von Wirtschaft, eine Reihe von Ideen und Praktiken, nach denen Produktion und Verteilung organisiert sind.

Ist Wirtschaft nicht langweilig?

Als Kind habe ich Wirtschaft gehasst, weil ich dachte, es ginge nur darum, reich zu werden und Ungerechtigkeiten zu ignorieren. Das ist nicht wahr. Wirtschaft ist eigentlich spannend. Es geht darum zu entscheiden, wie Produktion und Verteilung auf ökologische, freie und solidarische Weise organisiert werden können.

Ist Wirtschaft nicht dasselbe wie Kapitalismus?

Kapitalismus ist nur eine Möglichkeit, eine Wirtschaft zu organisieren. Es gibt bessere Wege.

Ist Wirtschaft kompliziert?

Die kapitalistische Version von Wirtschaft ist ziemlich unberechenbar, anfällig und sehr komplex. Kleine Dinge können zu einer großen Krise führen, und Politiker*innen fürchten daher größere Veränderungen. Fragile und zusammenbrechende Wirtschaften sind anfällig für Hungersnöte und sogar Todesfälle. Moderne Produktion und Verteilung ist aufgrund von Abhängigkeiten zwar recht komplex. Die Komplexität und Fragilität kann jedoch durch Methoden der Dezentralisierung und Kapselung reduziert werden, sodass alle die für sie relevanten Teile der Wirtschaft verstehen können. Dies soll im Folgenden näher erläutert werden.

Ist Wirtschaft nur für Expert*innen?

Wir alle sind Expert*innen für den Teil der Wirtschaft, der uns betrifft: Wir wissen am besten, was wir brauchen. Und an unserem Arbeitsplatz wissen wir am besten, wie wir die Arbeitsbedingungen und die Prozesse im Zusammenhang mit der Produktion oder der Erbringung einer Dienstleistung weiter verbessern können. Wir wissen diese Dinge besser als z.B. die Chef*innen, die nicht an der Produktion beteiligt sind. Eine Wirtschaft braucht auch Menschen, die den Überblick behalten, z. B. über die globale Nutzung knapper Güter, Umweltfragen, Abhängigkeiten zwischen Branchen, Lieferketten usw. Eine Überblicksverantwortung zu haben, bedeutet jedoch nicht, das Recht zu haben, über andere zu entscheiden. Die Verantwortung für den Überblick sollte rotieren.

Gibt es wirklich andere Möglichkeiten als den Kapitalismus?

Ja. Wirtschaft gab es schon vor dem Kapitalismus, und es wird auch postkapitalistische Wirtschaftsweisen geben. Uns wird vorgegaukelt, dass es keine Alternative zum Kapitalismus gibt, aber tatsächlich gibt es eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie Wirtschaft organisiert werden kann.

Warum sollten wir jetzt über Wirtschaft nachdenken?

Die kapitalistische Art des Wirtschaftens hat zu einer schweren Klimakrise und großen sozialen Ungerechtigkeiten geführt. Diesem Schaden muss Einhalt geboten werden. Außerdem ist das Nachdenken und Diskutieren über postkapitalistische Wirtschaftssysteme eine Möglichkeit, andere von ihrer Machbarkeit zu überzeugen.

Warum brauchen wir eine Wirtschaft?

Wenn du nicht in einer autarken Kommune leben willst, die alles, was sie braucht, selbst produziert, d.h. wenn du Dinge wie das Internet, Schokolade oder Krankenhäuser willst, dann ist es notwenidig, sich mit anderen darüber abzuspechen, wie die Verantwortung und der Zugang zu den Gütern und Dienstleistungen verteilt werden sollte. Wenn du in einer autarken Kommune leben willst, ist das auch in Ordnung, doch bitte als Dogma für alle.

Wie kann eine Wirtschaft anarchistisch sein?

Im Anarchismus geht es um die Abschaffung oder zumindest die Minimierung aller Formen von Herrschaft. Außerdem müssen anarchistische Gesellschaften auf den Werten der Freiheit und der Solidarität beruhen. Eine anarchistische Wirtschaft sollte jede*n nach ihren*seinen Bedürfnissen versorgen, d.h. unabhängig davon, ob oder wie jemensch arbeitet, sollten ihre*seine Bedürfnisse erfüllt werden. Im Anarchismus geht es auch um Vielfalt, darum anzuerkennen, dass es nicht die eine Lösung gibt, die für alle passt. Anarchistische Ökonomie sollte daher die respektvolle Koexistenz verschiedener Wirtschaftssysteme berücksichtigen. Alle Strukturen im Zusammenhang mit der Wirtschaft sollten so dezentral, transparent und dynamisch wie möglich sein, damit sie nicht zu statischen Machtstrukturen mutieren.

Glaubst du wirklich, dass eine anarchistische Wirtschaft möglich ist?

Ja. Die folgenden Fragen und Antworten erklären, wie.

Warum ist dieser Fragen-Antworten-Text aus anarcho-kommunistischer Perspektive geschrieben?

Der Anarcho-Kommunismus ist die Variante der anarchistischen Ökonomie, die mir am meisten zusagt, weil sie sowohl die Freiheit als auch die Solidarität maximiert. Sie lehnt Markt und Lohnarbeit ab (siehe unten für Probleme mit Markt und Lohnarbeit) und verteilt nach Bedarf. Wenn du andere Arten von Wirtschaft bevorzugst, ist das in Ordnung. Dann kannst du einen anderen Text schreiben. Unter bestimmten Bedingungen besteht eine gute Chance, dass verschiedene Wirtschaftsformen koexistieren können (siehe unten).

Was sind die Merkmale anarchistischer Wirtschaft?

Um konkreter zu werden, sollte eine auf Freiheit und Solidarität basierende Wirtschaft folgende Merkmale aufweisen:

Was ist bedürfnisorientierte Wirtschaft?

Das Ziel einer bedürfnisorientierten Wirtschaft ist es, die Bedürfnisse aller Menschen zu erfüllen. Die Wirtschaft muss so funktionieren, dass dieses Ziel nicht hinter vermeintlich zwingenden Notwendigkeiten wie "dem Markt" oder herrschenden Institutionen zurückstehen muss. Die Menschen selbst definieren, was ihre Bedürfnisse sind, und das kann je nach Region und Umfeld und je nach Individuum sehr unterschiedlich sein. Das gilt für Menschen in allen Regionen der Erde. Dazu gehört auch das Nachdenken über die Bedürfnisse zukünftiger Generationen. Und die Bedürfnisse der nichtmenschlichen Tiere. Wenn die Erfüllung eines Bedürfnisses mit der Erfüllung eines anderen Bedürfnisses kollidiert, werden die betroffenen Menschen eine Lösung finden, um die Erfüllung der Bedürfnisse so gut wie möglich zu maximieren. Die Fähigkeit oder Bereitschaft, die eigenen Bedürfnisse zu äußern, sollte keine Voraussetzung für deren Erfüllung sein.

Bedeutet "allen nach ihren Bedürfnissen", dass alle bekommen was sie sich wünschen?

Da es in anarchistischen Ökonomien nicht nur um Freiheit, sondern auch um Solidarität geht, kann eine Person bekommen, was sie sich wünscht, solange es sich nicht negativ auf andere auswirkt. Und selbst in diesem Fall kann sie vielleicht noch bekommen, was sie sich wünscht, wenn die betroffenen Menschen über den (Ressourcen-)Konflikt sprechen und eine Lösung finden, die für alle akzeptabel ist. Wenn es von einem Gut oder einer Ressource genug gibt, können sich alle nehmen, was sie brauchen. Nur bei knappen Gütern muss die betroffene Gemeinschaft einen Modus der Verteilung finden, die allen Bedürfnissen am besten gerecht wird. Auch das Horten von Gütern wird kein Problem mehr sein.

Würden die Menschen in anarchistischen Wirtschaften anfangen zu horten?

Wenn du bekommen kannst, was du brauchst, und du darauf vertrauen können, dass deine Gemeinschaft auch in Zukunft deine Bedürfnisse erfüllt, ergibt es keinen Sinn, große Mengen an Dingen zu Hause aufzubewahren. Die Nachbarn würden dich vermutlich komisch ansehen, wenn du immer noch hortest. Hinzu kommt, dass der Besitz von Dingen nichts ist, worauf mensch stolz sein kann, und dass er nicht als Statussymbol dient, sobald er vom Familienerbe und von der Arbeitsleistung entkoppelt ist. Daher werden die meisten Menschen aufhören zu horten.

Wer sollte Entscheidungen über Wirtschaft fällen?

Diejenigen, die von den Entscheidungen betroffen sind, sollten die Möglichkeit haben, an den Entscheidungen mitzuwirken. Sie müssen nicht alles entscheiden, denn sie könnten auch anderen vertrauen, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Aber sie könnten, wenn sie wollten. Um dies zu ermöglichen, sollten anstehende Entscheidungen und die dazugehörigen Hintergrundinformationen für alle Betroffenen transparent zugänglich sein.

Wie sieht anarchistische Kritik an dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem aus?

Anarchist*innen kritisieren Kapitalismus aus mehreren Gründen:

  1. Kapitalismus beutet Arbeiter*innen und Umwelt aus und verursacht so die Klimakrise.
  2. Kapitalismus kultiviert Herrschaftsstrukturen - nicht nur zwischen Arbeiter*innen und Boss*innen - er verstärkt auch Patriarchat, Rassismus, Antisemitismus und Behindertenfeindlichkeit.
  3. Die Produktion im Kapitalismus ist auf den Profit ausgerichtet, nicht auf die Bedürfnisse der Menschen. Kapitalismus verursacht große soziale Ungerechtigkeiten und Kriege. Dies und die Herrschaftsstrukturen haben einen enormen negativen Einfluss auf die physische und psychische Gesundheit vieler Menschen.

Wie unterscheidet sich die anarchistische Kapitalismuskritik von der marxistischen Kritik?

Der Marxismus befasst sich hauptsächlich mit der Ausbeutung der Arbeiter*innen. Nicht alle Marxist*innen sind kritisch gegenüber der Herrschaft, die von einer Elite oder einem Staat ausgeübt wird. Anarchist*innen identifizieren alle Formen von Herrschaft und wollen sie alle abschaffen.

Wird es nur eine Art von anarchistischer Wirtschaft geben? Gibt es eine Blaupause?

Nein, es kann nur viele Arten von anarchistischen Wirtschaften und viele Entwürfe geben. Im Anarchismus geht es um Vielfalt, darum unterschiedlichen Bedürfnisse und Präferenzen gerecht zu werden. Außerdem sind Erfahrungen und Experimente wichtig, um sich an veränderte Umgebungen und Zukünfte anzupassen. Natürlich dürfen diese Experimente das Wohlergehen von Menschen und anderen Tieren nicht gefährden, sie müssen innerhalb der Grenzen von Freiheit und Solidarität bleiben. Es könnte zusätzliche Vereinbarungen geben, an die sich alle Varianten von Wirtschaften halten sollten. Die möglichen Wege der Interaktion zwischen verschiedenen Ökonomien werden weiter unten diskutiert.

Wie könnten anarchistische Ökonomien auf lokaler Ebene funktionieren?

(Eine lokale Ebene wird hier als eine Struktur mit bis zu etwa 150 Personen (Dunbars Zahl) betrachtet, sodass mensch die meisten Personen noch vom Sehen her kennen kann). Ein mögliches Modell für die lokale Organisation von Produktion und Verteilung sind die folgenden drei Arten von Strukturen: Verbraucherräte, Produktionskollektive und Koordinierungsausschüsse.

  1. Die Verbraucherräte organisieren sich um lokale Nachbarschaften oder Wahlfamilien. Sie sammeln Informationen darüber, was benötigt wird.
  2. Produktionskollektive sind um verschiedene Produktionsprozesse und Dienstleistungen herum organisiert. Sie liefern Informationen darüber, was produziert oder welche Dienstleistungen erbracht werden könnten.
  3. Koordinierungskomitees bestehen aus einigen rotierenden Delegierten, die zwischen den Bedürfnissen und den Produktionsmöglichkeiten vermitteln und mehrere mögliche Pläne vorlegen.

Die gesamte Gemeinschaft entscheidet sich dann für einen Plan.

Ist eine anarchistische Wirtschaft eine Planwirtschaft?

Ja, aber nicht im Sinne einer zentralen Planwirtschaft wie in der Sowjetunion, sondern eher dezentral geplant von betroffenen Menschen. Eine anarchistische Wirtschaft, wie sie sie in diesem Text dargestellt wird, würde aus vielen, vielen verteilten Plänen bestehen, die sich teilweise überschneiden und nach Bedarf koordiniert werden.

Was sind die Vorteile von Wirtschaftsplänen?

Eine Plan (welcher Art auch immer) gibt uns die Freiheit zu wissen, dass unsere Bedürfnisse auch morgen und in Zukunft erfüllt werden. Sie ermöglicht auch längerfristige Pläne für die Regeneration ökologischer Systeme oder den Ausbau der Infrastruktur.

Muss alles im Detail geplant werden?

Nein. Für die meisten Dinge kann der künftige Verbrauch auf der Grundlage des Vorjahresverbrauchs in Kombination mit veränderten Bedingungen (z. B. neue Vereinbarungen über die begrenzte Nutzung knapper Ressourcen) geschätzt werden. Grobe Schätzungen sind gut genug.

Für wie viele Jahre sollte geplant werden?

Das hängt vom Zweck des Plans ab und kann variieren. Eine Bäckerei könnte z. B. sowohl ihren Bedarf an Ressourcen für das nächste Jahr als auch die benötigten Produkte für die nächste Woche planen wollen. Die Verbesserung der Eisenbahninfrastruktur sollte hingegen mehrere Jahre im Voraus geplant werden und mehr Menschen als die einer lokalen Gemeinschaft einbeziehen. Außerdem ist es in Ordnung, Pläne an sich verändernde Umgebungen anzupassen.

Warum sind überlokale Strukturen notwendig?

Die Gemeinschaften und Regionen übergreifende Zusammenarbeit ermöglicht z. B. die Planung komplexer Infrastrukturen und die Produktion moderner Technologien, die auf viele verschiedene Ressourcen und komplexe Lieferketten angewiesen sind. Außerdem verschafft die überlokale Perspektive Überblick und verbessert so die Verteilungsgerechtigkeit sowie die Widerstandsfähigkeit im Falle von Katastrophen. Einige Anarchist*innen sagen, dass alles, was sie brauchen, auf lokaler Ebene in autarken Gemeinschaften produziert werden kann und dass jede zusätzliche Struktur zu Bürokratie und Dominanz führen könnte. Menschen, die so leben wollen, können das tun. Das wird anarchistischen Ökonomien, die sich auf überlokaler Ebene vernetzen, nicht im Wege stehen, während sie auf die Vermeidung von Bürokratie und Dominanz achten.

Wie wird die Verteilung in anarchistischen Gemeinschaften aussehen?

Mehrere Möglichkeiten könnten (unter bestimmten Bedingungen) nebeneinander bestehen. Die vielversprechendste Verteilungsmethode basiert auf föderalen Räten, die sich aus Delegierten der betroffenen Gemeinden und Regionen zusammensetzen, sowie auf dezentralisierten Plänen. Die Verteilung richtet sich nach den Bedürfnissen der Menschen. Das muss nicht übermäßig kompliziert sein. Für viele Güter wie Lebensmittel oder Kleidung funktionieren lokale Verteilungszentren (wie Supermärkte, aber ohne Bezahlung) gut. Nur bei knappen Gütern ist eine Planung der Verteilung wichtig, um die soziale Gerechtigkeit zu verbessern. Die Probleme mit der Verteilung über die Entscheidung der Arbeitenden oder Märkte werden in den folgenden Fragen behandelt.

Was sind föderierte Räte?

Räte werden für einen bestimmten Zweck eingerichtet (vorübergehend oder dauerhaft). Bei ständigen Räten ist die Rotation der Zuständigkeiten wichtig. Wenn der Zweck, die zu erörternde Frage, mehr als eine lokale Gruppe von Menschen betrifft (und nur dann!), sollten sich die Delegierten mehrerer dieser Räte aus verschiedenen Regionen zusammenschließen und föderierte Räte bilden. Dies bedeutet, dass sie Informationen austauschen, sich gegenseitig unterstützen und, falls erforderlich, Vereinbarungen für die Föderation treffen. Die Delegierten der lokalen Räte können den lokalen Räten keine Vereinbarung aufzwingen, d.h. die Föderation ist keine Machtstruktur. Es handelt sich um eine Struktur der Erleichterung und Koordination, wobei immer noch die von der Entscheidung Betroffenen die Entscheidung treffen (ähnlich wie dem Koordinierungskomitee auf lokaler Ebene). Das Internet ist ein leistungsfähiges Instrument für Föderationen. Eine Föderation muss nicht aus klar definierten geografischen Regionen bestehen. Sie kann aus sich geografisch oder thematisch überschneidenden Netzwerken bestehen.

Welche Probleme gibt es, wenn die Arbeitenden über die Verteilung der von ihnen produzierten Güter entscheiden?

Einige sozialistische Konzepte plädieren für Produktionsmittel, die sich im Besitz der Arbeitenden befinden und von ihnen kontrolliert werden. Dies beinhaltet, dass die Arbeiter*innen darüber entscheiden, wer das von ihnen Produzierte bekommt. Das mag zwar nach erstrebenswertel Selbstorganisation klingen, birgt aber einige Probleme im Zusammenhang mit den anarchistischen Konzepten von Solidarität und Freiheit: Wenn die Arbeiter*innen für die Produktion eines wichtigen Infrastrukturgutes wie Transport, Wasser oder Information verantwortlich sind, betrifft die Verteilung viele Menschen und daher sollten nicht nur die Arbeiter*innen, sondern alle Betroffenen mitentscheiden dürfen. Wenn nur die Arbeitenden diese Entscheidung treffen könnten, wären sie in der Lage, Macht über andere zu auszuüben, andere vom Zugang auszuschließen und Vetternwirtschaft zu betreiben. Dies schafft Strukturen der Bevorzugung und Diskriminierung. Andere müssen für die Erfüllung ihrer Bedürfnisse kämpfen.

Was sind die Probleme mit Märkten?

Märkte als Verteilungsinstrument werden in kapitalistischen Wirtschaften eingesetzt, aber sie werden auch für einige sozialistische Wirtschaftsmodelle vorgeschlagen. Selbst in diesen Versionen sind die Märkte problematisch: Der Markt vermittelt die Bedürfnisse der Menschen nur sehr verzögert, indirekt und verzerrt. Die Produkte müssen auf dem Markt gut abschneiden und bald wieder kaputtgehen, anstatt die Bedürfnisse zu erfüllen (die Produktion konzentriert sich auf den Tauschwert und nicht auf den Gebrauchswert). Die Informationen über Produkte werden meist auf eine einzige Zahl, den Preis, reduziert. Wichtigere Informationen wie die Umweltauswirkungen oder die Produktionsbedingungen werden nur selten mitgeteilt. Märkte führen tendenziell zu ungerechter Verteilung und externalisierten (nicht beachteten) Umweltschäden (negative Externalitäten). Außerdem erfordern Märkte eine aktive Beteiligung in Form von Lohnarbeit, Informationen über die Produkte und eventuell Verhandlungen. Damit werden diejenigen ausgeschlossen, die diesen Anforderungen nicht gerecht werden können. Die Probleme der Lohnarbeit werden in der nächsten Frage behandelt.

Das Argument für Märkte war, dass sie dezentralisiert sind und sich an die Bedürfnisse der Menschen anpassen können und dass es kein anderes dezentrales Instrument für die Verteilung gibt. Beides kann heute als falsch angesehen werden (die Bedürfnisse sind nicht erfüllt und wir haben dezentrale Kommunikationsmittel wie das Internet). Märkte sind ein Instrument zur Organisation von Wirtschaften, und es gibt bessere Instrumente.

Ist bezahlte Arbeit eine gute Idee?

Nein, jeder Lohn oder jedes Entgelt für Arbeit (egal ob in Form von Geld oder Wertmarken für Arbeitsstunden oder Ähnlichem) hat negative Auswirkungen:

  1. Unabhängig davon, ob der Lohn nach Ausbildung, Erfahrung, Arbeitsstunden oder Anstrengung berechnet wird - es kann nie ein Konzept geben, das für alle gerecht ist.
  2. Der Lohn ist ein externer Motivator oder sogar ein Zwang, wenn Menschen für ihre Grundbedürfnisse auf den Lohn angewiesen sind. Externe Motivation ist weder gut für die Qualität der Arbeit noch für die psychische Gesundheit der Arbeitenden.
  3. Die Idee des Lohns erfordert die Unterscheidung zwischen Arbeit, für die mensch Lohn erhält, und anderer Arbeit, für die mensch keinen Lohn erhält. In Europa macht die nicht entlohnte Arbeit mindestens 40% der gesamten Arbeit aus (meist Pflegearbeit). Diese Unterscheidung ist entwürdigend und ungerecht.
  4. Die Idee der Lohnarbeit geht von einem Menschenbild aus, in dem Menschen genug Lohnarbeit leisten, um ihre Bedürfnisse zu erfüllen. Alle anderen müssen sich auf Sozialleistungen verlassen, was entwürdigend und ableistisch ist.

Eine anarchistische Wirtschaft, wie sie in diesem Text vorgestellt wird, würde daher weder Geld, noch Wertmarken, noch Lohn verwenden. Die Verteilung basiert ohnehin auf den Bedürfnissen.

Wie viel Arbeit ist in anarchistischen Wirtschaften notwendig?

Wir werden wahrscheinlich weniger arbeiten müssen als heute, weil viele Tätigkeiten wie die im Finanzsektor, im Versicherungswesen oder in der Werbung nicht mehr gebraucht werden. Andere könnten vereinfacht werden, weil Informationen über Produktionsprozesse offengelegt werden könnten, sodass die Forschung nicht mehr doppelt durchgeführt werden muss. Der Umfang der notwendigen Arbeit hängt sowohl von den Bedürfnissen und Entscheidungen der Gemeinschaft ab, in der Sie leben, als auch vom Ausmaß der Umweltschäden, die saniert werden müssen.

Wer besitzt die Produktionsmittel?

Keine*r. Sie werden von denjenigen genutzt und instand gehalten, die für die Produktion verantwortlich sind. Diese Leute besitzen die Produktionsmittel nicht und entscheiden nicht über die Verteilung. Eigentum im Allgemeinen ist mit dem Anarcho-Kommunismus nicht vereinbar, da es keinen Staat gibt, der die Eigentumsrechte durchsetzt. Es kommt darauf an, wer die Entscheidungen trifft, und das sollten diejenigen sein, die von der Entscheidung betroffen sind.

Wer besitzt Land, Häuser und andere Dinge?

Keine*r. Die Menschen nutzen sie bei Bedarf. Wenn mehrere Personen dasselbe Grundstück oder Haus nutzen wollen, wird die Gemeinschaft eine Lösung finden. Vielleicht sollten die beliebtesten Häuser nur für Krankenhäuser oder Gäste genutzt werden. Allerdings wird niemand willkürlich ein benutztes Haus wegnehmen, ohne dass zuvor ein Ressourcenkonflikt gelöst wurde. Etwas zu nutzen ist etwas anderes als Eigentum. Die Sammlung von Dingen kann eher als eine Bibliothek betrachtet werden, aus der mensch Dinge ausleiht, wenn mensch sie benutzen will, und sie danach zurückgibt.

Wer entscheidet was produziert wird?

Die Verbraucher*innen entscheiden, was benötigt wird. Die Produzent*innen entscheiden, was produziert werden kann. Und gemeinsam können alle von der Entscheidung Betroffenen entscheiden, was tatsächlich produziert werden wird.

Wer entscheidet wie produziert wird?

Die Produzierenden entscheiden, wie sie produzieren, solange diese Entscheidung nicht andere beeinträchtigt. Wenn z.B. die gewählte Produktionsmethode die Umwelt schädigt oder knappe Ressourcen verbraucht, sollten andere, die von dieser Entscheidung betroffen sind, einbezogen werden.

Wer produziert für wen?

Wenn möglich und unter Berücksichtigung der Verteilungsgerechtigkeit sollte sich die Produktion auf die lokalen Verbraucher*innen konzentrieren. Dies verringert den Verbrauch von Transportmitteln und die Zahl der betroffenen Menschen. Bei Bedarf ist jedoch auch eine überlokale Zusammenarbeit und Produktion für Menschen in anderen Regionen und Kontinenten möglich.

Wie wird die notwendige Arbeit verteilt?

Für den Fall, dass die Arbeitsverteilung in Teilen nicht einfach dadurch funktioniert, dass sich Menschen etwas aussuchen, was sie gerne tun möchten, kann es für die weniger beliebten Tätigkeiten ein Informationsmedium geben, das ankündigt, wo Hilfe benötigt wird. Wenn diese Transparenzmaßnahme auch nicht hilft, können lokale Koordinierungskomitees relevante Informationen sammeln und Vorschläge zur Verteilung machen. Wenn z.B. eine wichtige, aber unbeliebte Arbeit ansteht, könnte ein Vorschlag darin bestehen, genügend Leute zu finden, die bereit sind, diese Arbeit im Wechsel zu übernehmen. Oder, wenn es sich um eine Art von Aufräumarbeiten handelt, die von Zeit zu Zeit erledigt werden müssen, könnte mensch einen Gemeinschaftstag einführen, an dem sich alle zusammentun, um die Arbeit zu erledigen und dabei Spaß zu haben. Oder, wenn eine lokale Produktionsstätte, die auch Produkte in andere Regionen liefert, viel Arbeit erfordert, könnte das Koordinierungskomitee benachbarte Gemeinschaften um Unterstützung bitten.

Müssen alle Tätigkeiten rotiert werden?

Nein. Es ist in Ordnung, sich ein ganzes Leben lang einer Tätigkeit zu widmen, wenn es das ist, was dir Spaß macht. Wenn du jedoch eine sehr beliebte Tätigkeit ausführst, könnte die Gemeinschaft dir nahelegen, auch für einige Stunden weniger beliebte Tätigkeiten zu erledigen. Es ist auch in Ordnung, die Tätigkeit häufig zu wechseln oder an mehreren Projekten gleichzeitig zu tätig zu sein. Manche Tätigkeiten erfordern eine intensive Ausbildung. Freiwillige für diese Art von Tätigkeit werden gebeten, sich für einen längeren Zeitraum bereit zu erklären.

Gibt es Arbeitszwang?

Nein. Vielleicht ein leichter Gruppendruck, je nach Gemeinschaft. Da die Produktionskollektive, also die, die die Tätigkeiten ausführen, entscheiden können wie sie arbeiten wollen, kann die Arbeitsweise so angepasst werden, dass sie so angenehm wie möglich ist, je nach den Vorlieben der Leute im Produktionskollektiv.

Warum sollten die Menschen arbeiten, wenn es weder einen Zwang zur Arbeit noch einen Lohn gibt?

Nach einer gewissen Zeit der Entspannung haben die meisten Menschen das Bedürfnis, sich zu engagieren, etwas beizutragen, etwas zu schaffen oder anderen zu helfen. Das gibt ihnen Erfüllung und einen Sinn im Leben. Es ist auch eine Möglichkeit, um mit anderen in Kontakt zu kommen und Freund*innen und Beziehungspartner*innen zu treffen.

Was wird als Arbeit definiert und was nicht?

Dies kann von den lokalen Gemeinschaften und ihren Lebensgewohnheiten abhängen. Da es keine Vergütung für Arbeit gibt, ist eine Definition von Arbeit nicht erforderlich (deshalb ist in diesem Text auch eher die Rede von "Tätigkeit" als von "Arbeit"). Einige wollen vielleicht die Trennung von Arbeit und Nicht-Arbeit auflösen, indem sie die Arbeit angenehmer gestalten. Andere könnten versuchen zu definieren, welche Art von Tätigkeiten zur Erfüllung der Bedürfnisse erforderlich sind, und diese als Arbeit definieren.

Was ist, wenn jemand nichts beiträgt und eine Menge Ressourcen verbraucht?

Das ist in Ordnung. Das System wird nicht zusammenbrechen, wenn ein paar Leute nichts beitragen. Sie haben wahrscheinlich Gründe, warum sie nicht beitragen können, und andere werden das verstehen. Wenn es keine Gründe gibt und die Gemeinschaft die extensive Nutzung von Ressourcen als Problem ansieht, wird sie versuchen, dies als Konflikt zu lösen. Wenn der Konflikt nicht gelöst werden kann, kann die Gemeinschaft beschließen, der betreffenden Person keine Ressourcen mehr zur Verfügung zu stellen.

Wie werden Entscheidungen durchgesetzt?

Es gibt keine Organisation wie Polizei, Gefängnisse oder Militär zur Durchsetzung von Entscheidungen. Vereinbarungen, die auf lokaler oder überlokaler Ebene getroffen werden, haben eine gute Chance, umgesetzt zu werden, da sie von den Betroffenen und nicht von einer entfremdeten autoritären Regierung getroffen wurden. Wenn sich einige Leute nicht an die Vereinbarungen halten, ist das vielleicht keine große Sache. Wenn sich jedoch andere durch ihr Verhalten gestört fühlen, wird es einen Konfliktklärungsprozess geben. Wenn dies nicht hilft oder die Menschen sich weigern, an der Konfliktlösung teilzunehmen, kann ihr Verhalten skandalisiert werden. Gemeinschaften können auch beschließen, sich von Personen zu trennen, die wiederholt Schaden anrichten und sich weigern, an Prozessen zur Veränderung ihres Verhaltens teilzunehmen (community accountability).

Hätten wir mehr als das Nötigste zum Überleben?

Ja. Je nachdem, was eine lokale Gemeinschaft oder eine einzelne Person braucht, können sie das, was sie für ein gutes Leben brauchen, organisieren. In Zeiten der Klimakrise sollten sie jedoch prüfen, ob ihre Bedürfnisse und Wünsche nicht zu große Umweltschäden verursachen. Wenn es für die Bedürfnisse gute Gründe gibt, werden andere das verstehen. Wenn nicht, werden sie vielleicht kritische Fragen stellen. Gemeinschaft und Solidarität führen ohnehin oft zu mehr Glück als ressourcenintensiver Besitz.

Würden anarchistische Ökonomien nur lokal sein oder könnten wir z.B. Kaffee haben?

Ja, es können auch Produkte aus anderen Regionen zur Verfügung stehen. Um Transportressourcen zu sparen, ist es angebracht, so viele lokale Produkte wie möglich zu verwenden. Anderseits es ist auch eine gute Praxis der überregionalen Solidarität und Kommunikation, für andere Regionen zu produzieren und Produkte aus ihnen zu erhalten. Bei Produkten, die nur in begrenztem Umfang zur Verfügung stehen, ist es sinnvoll, eine gewisse Transparenz zu schaffen, um eine gerechte Verteilung auf alle interessierten Regionen zu gewährleisten.

Gibt es genug für alle?

Ja, es gibt genug für alle. Alle können ein gutes Leben haben. Es muss nur gerecht verteilt werden. Einige Güter können manchmal knapp sein.

Die Ideen in diesem Text sind jedch nicht auf Überfluss oder "vollautomatischen Luxuskommunismus" angewiesen. Sie funktionieren auch in Zeiten von Krisen und Knappheit.

Was bedeutet ein gutes Leben?

Sich nicht um Bedürfnisse wie Nahrung und Wohnung, Freund*innen und Glück kümmern zu müssen, sind wichtige Faktoren für ein gutes Leben. Das Recht, viel mehr zu besitzen als andere oder viel mehr zu konsumieren als nötig, könnte als ein unethisches Konzept eines guten Lebens angesehen werden.

Was getan werden, wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt?

Auch dies kann von Fall zu Fall entschieden werden. Es könnte möglich sein, das Angebot zu erhöhen, indem mensch mehr Freiwillige für die Tätigkeit findet, indem mensch die Tätigkeit angenehmer gestaltet oder indem mensch sie automatisiert. Es könnte auch möglich sein, Wege zu finden, die Nachfrage zu senken oder die Verteilung zu verbessern.

Wenn etwas knapp ist, wie wird es verteilt?

Wenn ein Gut, eine Ressource oder eine Dienstleistung knapp ist, können die betroffenen Gemeinschaften entscheiden, wie sie die Verteilung handhaben wollen, und sie könnten je nach Situation eine andere Lösung wählen. Hier sind einige Ideen:

  1. Es ist gut, Transparenz über die Knappheit zu schaffen. Dies könnte einige Menschen und Gemeinschaften dazu motivieren, weniger zu verbrauchen oder Ersatz zu finden.
  2. Wenn ein knappes Gut für die Produktion verschiedener anderer Güter benötigt wird, sollten diese Güter ebenfalls als knapp gekennzeichnet werden.
  3. Wichtigkeitseinstufungen können helfen, zwischen mehreren Möglichkeiten zu entscheiden.
  4. Optimierungsalgorithmen können die beste Verwendung eines knappen Gutes unter bestimmten Bedingungen vorschlagen.
  5. Bei knappen Konsumgütern sollten Individuen und Gemeinschaften mit einem höheren Bedarf (z.B. medizinische Bedingungen, Regionen, die unter dem Kapitalismus stärker gelitten haben) bei der Verteilung bevorzugt werden. Wenn es keine großen Unterschiede in der Bedürftigkeit gibt, könnten Wartelisten oder die Verteilung an Gewinner*innen von fairen Spielen eine Option sein.

Gibt es in anarchistischen Wirtschaften nicht zu viele Entscheidungen? Müssten wir dann die meiste Zeit in Konferenzen verbringen?

Nein. Viele Dinge bleiben in etwa gleich oder ändern sich nur langsam (wie der durchschnittliche Bedarf an Häusern oder Lebensmitteln) und bedürfen nicht ständig neuer Entscheidungen. Andere Dinge, die nur geringe Auswirkungen haben oder in einem zuvor beschlossenen Rahmen liegen, können einfach ohne formelle Entscheidung durchgeführt werden und nur dann geändert werden, wenn jemensch Einwände hat. Außerdem muss nicht jede*r an jeder Entscheidung beteiligt sein. Wenn mensch weiß, dass man bei Bedarf informiert und einbezogen werden kann, reicht es oft aus, anderen die Entscheidung zu überlassen.

Wie würde ein Tag in einer anarchistischen Wirtschaft aussehen?

Du könntest dein Frühstück in einem Gemeinschaftszentrum einnehmen (ohne zu bezahlen) oder zu Hause das Essen genießen, das du am Vortag von der Verteilungsstelle abgeholt hast (ohne zu bezahlen). Danach bist du vielleicht vier Stunden lang in einem Krankenhaus tätig. Zum Mittagessen holst du dir möglicherweise etwas in einer Sandwich-Bar im Stadtzentrum (ohne zu bezahlen) und gehst später mit Freund*innen zum Sport und zum Essen und Trinken aus (ohne zu bezahlen). Bevor du zu Bett gehst, loggst du dich eventuell in das Kommunikationssystem ein, um dich über Neuigkeiten und anstehende Entscheidungen zu informieren, an denen du dich vielleicht beteiligen möchtest.

Sind Menschen nicht zu egoistisch für anarchistisches Wirtschaften?

Nein. Es gibt viele Untersuchungen, die die Theorie des homo oeconomicus, also die Vorstellung, dass der Mensch immer nach seinem persönlichen Vorteil strebt, widerlegen. Kropotkins "Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt" befasst sich mit der Bedeutung von Kooperation und Reziprozität in tierischen und menschlichen Gesellschaften. Axelrods mathematischer Beweis über Simulationen des wiederholten Gefangenendilemmas zeigt, dass kooperative Strategien am erfolgreichsten sind. Auch Martin A. Nowak und Michael Tomasello bestätigen die Bedeutung der Kooperation für die Evolution des Menschen. Es ist eher umgekehrt: Das Verhalten des homo oeconomicus ist sowohl dem Kapitalismus zuträglich als auch vom Kapitalismus geschaffen (siehe z. B. Jonathan Aldred: "Licence to be Bad: How Economics Corrupted Us").

Brauchen wir eine universelle Berechnungseinheit?

Der Kapitalismus verwendet den Marktpreis als universelle Rechnungseinheit. Andere sozialistische Wirtschaftsmodelle schlagen Wertmarken vor, die auf Arbeitsstunden basieren. Anarchistische Ökonomien, wie sie in diesem Text vorgestellt werden, brauchen keine universelle Recheneinheit. In einigen Fällen sind relevante Kennzahlen sinnvoll (z.B. zur Nutzung knapper Ressourcen). Die Art der benötigten Kennzahlen hängt jedoch vom jeweiligen Kontext ab. Kennzahlen sind nützlicher und informativer als eine universelle Recheneinheit. Dies wird manchmal als "in-natura"-Kalkulation bezeichnet.

Warum ist Geld (oder Wertmarken oder jede andere universelle Rechnungseinheit) problematisch?

Universelle Rechnungseinheiten reduzieren die Informationen über ein Produkt oder eine Dienstleistung auf eine Zahl. Sie legen auch den Gedanken nahe, eine Sache gegen eine andere mit der gleichen Zahl austauschen zu müssen. Sie fördern den Drang, immer mehr von der universellen Rechnungseinheit zu sammeln. Dies lenkt vom Hauptzweck einer Wirtschaft ab: der Befriedigung von Bedürfnissen.

Sollte anarchistische Ökonomien die Bedürfnisse zukünftiger Generationen berücksichtigen?

Ja. Wir sollten unsere Solidarität auch auf künftige Generationen ausdehnen, wenn wir darüber entscheiden, welche Ressourcen wir nutzen und wie wir mit der Umwelt umgehen. Andererseits sollte dieses Argument nicht in eine langfristige Sichtweise umschlagen, die die Bedürfnisse künftiger Generationen über die der heute lebenden stellt (siehe z. B. Timnit Gebru's Arbeit zu TESCREAL).

Auf welchen Daten basieren Entscheidungen?

Transparenz ist zwar wichtig, aber die Datenerhebung sollte nicht als Überwachungs- und Kontrollinstrument eingesetzt werden können. Daher sollte die Datenerfassung so dezentral wie möglich erfolgen, wobei nur aggregierte Informationen bei Bedarf an überlokale Strukturen weitergegeben werden. Nicht jedes Gut, jede Ressource oder jede Arbeitsstunde muss als Daten erfasst werden. Jede Gemeinschaft kann selbst entscheiden, wie viel sie erfassen möchte. Eine allgemeine Faustregel könnte lauten, dass es gut ist, Daten zu sammeln, sobald sich die Verteilung ungerecht anfühlt, um Transparenz zu schaffen und die gerechte Verteilung zu verbessern.

Besteht angesichts der Anforderungen an die Datenerfassung die Gefahr eines Überwachungsstaates?

Die Instrumente zur Sammlung der Daten sollten dezentralisiert und föderiert sein, sodass es einer zentralen Behörde nicht möglich ist, die Kontrolle über sie zu erlangen (z. B. ähnlich wie beim fediverse). Selbst wenn also derzeit keine autoritäre Instanz daran interessiert ist, die Kontrolle über die Daten zu erlangen, sollte dies auch in Zukunft nicht möglich sein.

Wird es Tausch und Handel immer geben?

Anarchistische Wirtschaft, so wie sie in diesem Text beschrieben wird, wird Tausch und Handel nicht verbieten, da es keine zentrale Autorität gibt, die Regeln durchsetzt. Das Ziel einer bedürfnisorientierten Wirtschaft sollte jedoch sein, Tausch und Handel unnötig und damit irrelevant zu machen: Alle sollten in der Lage sein, das zu bekommen, was sie brauchen, ohne sich auf Tauschhandel einlassen zu müssen.

Wie ist Innovation in anarchistischen Wirtschaften möglich?

Da weniger Stunden Arbeit pro Tag notwendig sein werden, bleibt mehr Freizeit für Inspiration. Außerdem könnten Informationen über innovative Ideen im Informationssystem frei ausgetauscht werden, da sie nicht mehr zu Gewinnzwecken verwendet werden können, was neue Ideen und Synergien ermöglicht.

Woher werden Resourcen für die Forschung kommen?

Die Entwicklung innovativer Ideen kann viele Ressourcen und Zeit in Anspruch nehmen, und es besteht immer das Risiko, dass sie am Ende nicht nützlich sind. Wenn lokale Gemeinschaften nicht in der Lage oder willens sind, einer umfangreichen Ressourcennutzung zuzustimmen oder nicht von den Vorteilen überzeugt sind, ist es immer noch möglich, über das Informationssystem Gleichgesinnte in anderen Regionen zu finden und einen Konsens über die Nutzung einiger Ressourcen zu finden.

Wie werden Investitionen in anarchistischen Wirtschaften möglich sein?

Da es in anarchistischen Ökonomien kein Geld gibt, geht es hier nur um die Investition von Zeit und anderen Ressourcen in ein Projekt, dessen Ausgang möglicherweise nicht vorhersehbar ist. Wenn die erforderlichen Ressourcen nicht knapp sind und niemand betroffen ist, muss darüber nicht einmal diskutiert werden. Bei knappen Ressourcen kann es sinnvoll sein, sich einen Überblick über die möglichen Verwendungszwecke der Ressourcen zu verschaffen, ein festes Budget für Investitionen bereitzustellen und dann zwischen verschiedenen Investitionsvorschlägen zu entscheiden. Dies kann sowohl auf lokaler Ebene als auch in föderalen Regionalräten geschehen.

Kann eine anarchistische Wirtschaft nur dann existieren, wenn der ganze Planet darauf umsteigt?

Es wäre großartig und einfacher, wenn der gesamte Planet zu einer anarchistischen Wirtschaft übergehen würde, weil die Ressourcen zwischen allen Regionen frei bewegt werden könnten. Dies muss jedoch nicht der Fall sein. Größere Gebiete sind zwar besser geeignet, um eine widerstandsfähige Wirtschaft zu schaffen, aber auch kleine Regionen können eine autarke Wirtschaft aufbauen.

Wie könnte der Transfer von Gütern oder Ressourcen in noch nicht anarchistische Wirtschaften/Gebiete erfolgen?

Da anarchistische Ökonomien kein Geld verwenden, können sie keine Waren aus nicht-anarchistischen Gebieten kaufen oder verkaufen. Wenn die anderen Gebiete der anarchistischen Wirtschaft gegenüber feindlich gesinnt sind, wollen sie vielleicht gar nicht mit ihr interagieren oder versuchen, das anarchistische Gebiet zu einem unfairen Warenaustausch zu zwingen. Im Idealfall wäre die anarchistische Wirtschaft nicht davon abhängig. Ein fairer Austausch könnte ein langfristiger Vertrag sein, der genau festlegt, welche Mengen welcher Güter in welchen Zeitabständen übertragen werden, sodass diese Vereinbarung eine gewisse Planung und Versorgungssicherheit ermöglicht.

Was ist im Falle eines militärischen Angriffs auf anarchistische Wirtschaften zu tun?

Kapitalistische Staaten könnten sich durch anarchistische Ökonomien bedroht fühlen und militärische Angriffe planen. Sie könnten auch versuchen, konservative Menschen in vorwiegend anarchistischen Gebieten zu finden, die sie unterstützen. So wie Chile am 11.09.1973 gestürzt wurde. Das Beste ist wohl, sich dieser Gefahr von Anfang an bewusst zu sein und sich dagegen zu schützen. Nicht mit Waffen, sondern mit Informationsmitteln. Ausschau halten nach Leuten, die sich gegen die anarchistischen Organisationen verschwören, ihnen mit Mitteln der Konfliktlösung entgegentreten, jeden Versuch, die anarchistischen Ökonomien zu sabotieren, skandalisieren und die Informationen öffentlich machen, und zwar auf dem ganzen Planeten. Denjenigen, die mit den anarchistischen Ökonomien nicht zufrieden sind, sollte die Möglichkeit gegeben werden, in demselben Gebiet friedlich zu koexistieren, indem sie ihr eigenes Wirtschaftssystem nutzen (siehe unten).

Kann eine bedürfnisorientierte Wirtschaft neben einem kapitalistischen Wirtschaftssystem existieren?

Da der Kapitalismus von Natur aus expansiv ist und ständig wachsen will, besteht die Gefahr, dass benachbarte kapitalistische Gebiete versuchen könnten, wichtige Ressourcen auszubeuten, gewaltsam unter ihre Kontrolle zu bringen oder sogar anarchistische Ökonomien zu stürzen. (Siehe oben zur Vermeidung militärischer Aggressionen). Eine friedliche Koexistenz mit dem Kapitalismus könnte möglich sein, wenn alle die Vereinbarungen und Bedingungen für die Koexistenz respektieren würden, was für den Kapitalismus unwahrscheinlich ist (siehe unten).

Unter welchen Bedingungen können unterschiedliche Wirtschaftsysteme koexistieren?

  1. Das Ökosystem des Planeten sollte für künftige Generationen erhalten werden.
  2. Jeder Mensch sollte die Wahl haben, in dem wirtschaftlichen und politischen System seiner Wahl zu leben (dies wird auch Panarchie genannt).
  3. Die Grundbedürfnisse eines jeden Menschen sollten befriedigt werden. Wirtschaftssysteme, die ihre Menschen nicht ernähren können, sollten skandalisiert werden.
  4. Zu wichtigen, aber knappen Ressourcen (unabhängig davon, in welchem Gebiet sie sich befinden) sollte jedes Wirtschaftssystem Zugang erhalten, und ihr Anteil an ihnen sollte von der Anzahl der Menschen in ihnen abhängen.
  5. Es sollte Transparenz, freier Informationsaustausch, keine Waffen und keine kriegerischen Aktivitäten geben.

Kapitalismus kann unter diesen Bedingungen nicht koexistieren. Er braucht z.B. billige Arbeitskräfte und ausgebeutete Arbeit*innen würden wahrscheinlich lieber zu einem anderen Wirtschaftssystem wechseln. Kapitalismus würde also entweder diese Vereinbarungen brechen oder zusammenbrechen. Die Koexistenz von anarcho-kommunistischen Volkswirtschaften mit nicht-ausbeuterischen Marktwirtschaften wie dem Marktsozialismus könnte möglich sein.

Der Wettbewerb zwischen den koexistierenden Volkswirtschaften sollte begrenzt werden. Dies könnte z. B. dadurch geschehen, dass alle 10-20 Jahre eine Bewertung der Zufriedenheit und der Ungerechtigkeiten vorgenommen wird und die Vereinbarungen zwischen den Wirtschaftssystemen bei Bedarf neu festgelegt, umverteilt und neu kalibriert werden. Dies könnte im Rahmen eines transökonomischen postkapitalistischen Festes stattfinden.

Würde die Wirtschaft zusammenbrechen, wenn wir es mit anarchistischer Wirtschaft versuchen würden?

Ein wirtschaftlicher Absturz oder Zusammenbruch ist durch hohe Konkurs- und Arbeitslosenquoten und eine hohe Inflation gekennzeichnet. All das kann es in einer bedürfnisorientierten Wirtschaft ohne Geld nicht geben. Was passieren könnte, ist eine Verknappung der notwendigen Güter. Dies könnte verhindert werden durch

  1. Planung der Transformation (siehe unten)
  2. die Konzentration auf die wichtigsten Güter in Krisenzeiten und
  3. gute Informationssysteme und Transparenz, um das, was verfügbar ist, solidarisch zu teilen.

Einige Sozialist*innen und einige Klimaaktivist*innen behaupten, dass die unmittelbare Gefahr der Klimakrise einen rechtzeitigen Systemwechsel oder eine Revolution mit einer starken Führung erfordert. Warum sind Anarchist*innen anderer Meinung?

Der Klimawandel ist real, und um das Schlimmste zu verhindern, muss dringend gehandelt werden. Andererseits kann der Druck, schnell zu handeln, von autoritären Kräften als Rechtfertigung genutzt werden, um einen starken Staat zu installieren. Entweder um mit autoritären oder gar militärischen Mitteln Gegenmaßnahmen gegen den Klimawandel durchzusetzen oder um diejenigen zu bekämpfen, die das tun wollen. So oder so, autoritäre Staaten waren nie eine gute Idee: Sowohl kommunistische als auch nationalsozialistische autoritäre Staaten haben in der Vergangenheit viele Menschen getötet und gefoltert. Mir ist eine langsamere Transformation bei solidarischer Bewältigung der Umweltschäden lieber als eine autoritäre Diktatur.

Was ist Klasse und ist es wichtig?

Lasst uns nicht darüber streiten, wie mensch Klasse definiert. Lasst uns alle vereinen, die bereit sind, hinter den Ideen von Freiheit und Solidarität zu stehen, um den Kapitalismus abzuschaffen und alle anderen Formen der Unterdrückung zu beenden.

Was sind anarchistische Ansätze im Arbeitskampf?

Der Aufbau von Gewerkschaften ist eine Form der anarchistischen Selbstorganisation und gegenseitigen Hilfe. Da der Kapitalismus auf der Ausbeutung von Arbeiter*innen basiert, ist dies ein guter Ausgangspunkt für ein Gespräch über Alternativen zum Kapitalismus.

Denkst du wirklich, dass anarchistische Wirtschaftssysteme funktionieren können?

Es gibt historische Beispiele für anarchistische Ökonomie im großen Stil wie die Machnowschtschina 1917-1922 (Marktsozialismus) und die Spanische Revolution 1936-1939 (verschiedene Versionen anarchistischer Ökonomien, einige ohne Geld). Beide wurden von faschistischen und kommunistischen Militärs gewaltsam beendet. Auch die Bewegung der Zapatistas und die in Rojava weisen Merkmale anarchistischer Ökonomien auf.

Versionen der anarchistischen Ökonomie funktionieren heute in kleineren Gemeinschaften, in Hausprojekten, Arbeitskollektiven, und auch in Freund*innenkreisen (es wird keine Gegenleistung erwartet wenn eine Person der anderen hilft).

Außerdem zeigen Forschung und Simulationen, dass die Konzepte der Kooperation und der anarchistischen Ökonomie solide und praktikabel sind (Cybernetics and the Viable System Model (VSM)). All dies ist kein Beweis dafür, dass anarchistisches Wirtschaften funktioniert, sondern unterstützende Hinweise.

Was ist der Unterschied zwischen einer anarcho-kommunistischen Wirtschaft und einer libertär sozialistischen?

Die wirtschaftlichen Konzepte des Anarcho-Kommunismus und des libertären Sozialismus sind meist die gleichen. Auch Geschenkökonomie oder Bibliotheksökonomie werden manchmal als Begriffe für ähnliche Wirtschaftskonzepte verwendet. Im Zweifelsfall ist es am besten zu fragen, was gemeint ist. Die wichtigsten Fragen, die mensch stellen sollte, sind: „Wer besitzt die Produktionsmittel“, „Wer entscheidet, was produziert und wie verteilt wird“ und "Was ist mit Reproduktionstätigkeiten"?

Wie kann das jetzige System in ein anarchistisches transformiert werden?

Wir können Informationen über die Machbarkeit anarchistischer Ökonomien austauschen und so das Narrativ ändern, dass es nur eine wirtschaftliche Möglichkeit gibt. Wir können anfangen, Strukturen anarchistischer Ökonomien innerhalb des alten Systems aufzubauen (so gut wie möglich, ohne frustriert zu werden). Das wird präfigurative Politik genannt. Es erlaubt uns, mit anarchistischen Fähigkeiten zu experimentieren und sie zu üben, während wir eine Infrastruktur aufbauen, die für die Gegenwart und die anarchistische Zukunft nützlich ist. Wir können auch anfangen, mehr Pläne für zukünftige anarchistische Ökonomien zu machen, entweder als Rollenspiel oder ernsthafter: Welche Produktionsprozesse könnten wiederverwendet werden, welche sind nutzlos? Was sind die wichtigsten Elemente der Infrastruktur, um die Bedürfnisse zu erfüllen? Woran würdet ihr während und nach der Transformation arbeiten? Bauen wir viele anarchistische Wirtschaftsoasen, Brücken und Netzwerke in der kapitalistischen Wüste, bis die Wildblumen überall zu wachsen beginnen.

Bei der Verbreitung von Informationen und dem Aufbau einer anarchistischen Infrastruktur sind soziale Sicherungssysteme wie ein Grundeinkommen hilfreich, da sie eine gewisse Freiheit ermöglichen. Allerdings werden Anarchist*innen gewöhnlich nicht viel Zeit damit verbringen, den Staat um Hilfe zu bitten. Letztendlich wird der Staat uns wahrscheinlich nicht helfen, sich selbst loszuwerden.

Wie stürzen wir die Regierung?

Ich denke nicht, dass ein plötzlicher Umsturz der Regierung funktionieren würde. Im Vergleich zu den Zeiten der Pariser Kommune gibt es viel mehr Überwachungs-, Medien- und Militärtechnologie, die den Staat schützt. Deshalb brauchen wir einen sehr breiten Konsens über die Ideen einer post-kapitalistischen und post-statistischen Gesellschaft. Mit einer friedlichen Massenbewegung kann eine Regierung zum Aufgeben gezwungen werden.

Das ist auch der Grund, warum ich den Begriff Transformation dem der Revolution vorziehe. Viele Anarchist*innen sind sich einig, dass die Methoden, mit denen wir uns einer anarchistischen Gesellschaft annähern wollen, mit anarchistischen Ideen vereinbar sein sollten. Ein militärischer Umsturz eines Staates, der von einer kleinen Gruppe angeführt wird, schafft oft einen neuen elitären, vielleicht sogar autoritären Staat. Wir müssen uns daran erinnern, dass es darum geht, den Staat abzuschaffen. Ideen von Übergangsphasen mit einem Staat (wie sie von einigen Kommunist*innen oder Marxist*innen vorgeschlagen werden) sollten ebenfalls mit Skepsis betrachtet werden. Viele Anarchisten wurden durch den „Übergangsstaat“ der Sowjetunion umgebracht.

Wie kann Enteignung vonstatten gegen?

Sobald es eine Massenbewegung für Gesellschaften gibt, die auf Freiheit und Solidarität basieren, und sobald die Regierung und die Strafverfolgungsbehörden beschlossen haben, sich der Massenbewegung anzuschließen, könnten die verbleibenden Zweifler*innen, die immer noch ein Recht auf Eigentum beanspruchen, ebenfalls nachgeben. Wenn sie jedoch keine knappen Ressourcen beanspruchen, könnte es möglich sein, sie koexistieren zu lassen. Andernfalls können Gruppendruck und Skandalisierung genutzt werden, um ihr Eigentum als Allgemeingut zu übergeben, das alle nutzen und teilen können.

Ist es naiv, eine gewaltfreie Transformation anzustreben?

Das denke ich nicht. Es gibt einige Beispiele für gewaltfreie Transformationen in der Geschichte. Eine Massenbewegung für eine Transformation in freien und solidarischen Gesellschaften ist eine gute Basis für einen gewaltfreien Wandel. Mit den heutigen planetaren Kommunikationsnetzen kann außerdem jeder gewaltsame Angriff auf die Bewegung in Echtzeit kommuniziert und skandalisiert werden. Regierungen, die eine gewaltfreie Bewegung angreifen, verlieren international an Ansehen. Staaten wenden verschiedene Formen der Gewalt gegen uns an. Gewaltfreie Mittel zu bevorzugen, um sich der Gewalt zu widersetzen und militärische Aggressionen zu vermeiden, weil Kriege schrecklich sind, ist nicht dasselbe wie passive oder naive Unterwerfung.

Natürlich sind andere Anarchist*innen in dieser Hinsicht anderer Meinung. Und das ist in Ordnung. Mehrere Methoden der Transformation können nebeneinander existieren, solange sie sich nicht gegenseitig behindern.

Wird die Transformation in anarchistische Gesellschaften jemals abgeschlossen sein?

Nein, anarchistische Gesellschaften müssen sich immer an eine sich verändernde Umwelt und Zukunft anpassen.

Ich kann mir nicht vorstellen, wie eine anarchistische Wirtschaft funktionieren soll. Was kann ich tun?

Du kannst einige Kurzgeschichten oder Romane über zukünftige Gesellschaften mit anarchistischen Wirtschaftssystemen lesen, wie z. B. diese auf transform-social, Ursula le Guins „Planet der Habenichtse“, James P. Hogans „A Voyage from Yesteryear“, und viele andere. Ihr könnt die Ideen mit euren Freunden diskutieren und vielleicht sogar in einigen Rollenspielszenarien ausprobieren.

2024/05