Dies ist eine Weiterentwicklung der Ideen von diesen beiden Texten:

Dieser Text wurde mit dem Ziel geschrieben, eine Utopie auf einer Seite zu erklären:

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Vorbemerkungen

Annahmen auf denen der Text aufbaut.

  • Kritik: Kapitalismus ist ungerecht/krisenanfällig/umweltzerstörend. Top-Down Institutionen kennen Bedürfnisse nicht.
  • Menschenbild: Vielfalt. Es gibt keinen ethischen/logischen Standard, was gutes Leben ist, jedoch Minimalanforderungen.
  • Disclaimer: Kein Bauplan für zukünftige Gesellschaften, sondern Anregung zum Weiterdiskutieren. Die Links sind meist Beispiele.

Utopie: Planetare KooPeration (PP)

Die Idee liegt zwischen Anarchokommunismus und Panarchie. Die Planetare Vereinbarung ist der Minimalkonsens. Darin bewegen sich viele geographisch nicht voneinander abgegrenzte Netzwerke mit eigener Politik und Ökonomie. Dieser multi-theoretische Ansatz soll akzeptierende und konkurrenz-freie Vielfalt ermöglichen, Herrschaft strukturell vermeiden und so resilienter gegenüber sich ändernden Bedingungen und Krisen sein.

Planetare Vereinbarung (PV)

  1. Der Planet muss für Lebewesen aller Kontinente dauerhaft bewohnbar bleiben.
  2. Jede Person darf frei entscheiden, wie und wo sie leben will, solange sie damit nicht die Freiheit anderer einschränkt.
  3. Die Grundversorgung jeder Person muss sichergestellt sein.
  4. Alle Strukturen von Belang sind transparent.
  5. Es gibt keine (nationalen) Grenzen und keine kriegerischen Aktivitäten.
  6. Planetare und regionale Gerechtigkeit (gemessen in Zufriedenheit, wobei das Minimum angehoben werden sollte) wird angestrebt.

Planetare VeRantwortungsgruppen (PR)

befassen sich transparent und wissenschaftlich mit planetaren Fragen wie Klimaumbruch, Ressourcenknappheit, effizienten Produktionsverfahren, Konflikten, Kommunikation und Koordination zwischen Regionen und Netzwerken und Verbesserung der planetaren und der lokalen Zufriedenheit. PRs sind offen für alle Interessierten. Sie orientieren sich an den PVs und planetaren Stimmungsbildern und sprechen Empfehlungen aus, deren Nichteinhaltung öffentlich problematisiert wird.

Das Planetare Informationssystem (PI)

ermöglicht Neuigkeiten, anstehende Entscheidungen, Vereinbarungen, Bedarfe (Lebensmittel, Immobilien, Tätigkeiten, …) und Ressourcen (Rohstoffe, Zwischenprodukte, Fertigungsorte, Fähigkeiten, Zeit, …), Konzepte von Netzwerken, … strukturiert zu kommunizieren. Es beinhaltet Werkzeuge für Diskussion, Entscheidungsfindung, Zufriedenheitsumfragen, Konfliktklärungen und Prozessoptimierungen.

Netzwerke

haben ihr eigenes politisches und ökonomisches System, das Ethik, Entscheidungsfindung, Tätigkeits- und Ressourcenverteilung definiert. Sie sind grundsätzlich autonom, jedoch an die PV gebunden. Netzwerke können planetar, regional oder nur lokal sein. Am selben Ort können Strukturen vieler Netzwerke nebeneinander existieren. Zwischen den Netzwerken gibt es Vereinbarungen zur gegenseitigen Unterstützung, mit dem Ziel die Zufriedenheit in unterschiedlichen Regionen und Netzwerken anzugleichen (PV6). Dazu werden Rohstoffe, Produkte und Leistungen geld- und tauschfrei zwischen Netzwerken bewegt. Wenn ein Netzwerk die Vereinbarungen nicht einhält, ist das ein planetarer Konflikt. Zur Klärung geben PRs Empfehlungen. Hilft das nicht, wird die Inter-Netzwerk-Kooperation eingestellt und Menschen werden zum Wechsel in andere Netzwerke aufgerufen.

Beispiele für Konzepte von Netzwerken:

  1. Soziale Marktwirtschaft mit bedingungslosem Grundeinkommen, Entscheidungen durch repräsentative Demokratie.
  2. Grundnahrungsmittel, Öffis, Bildung, Gesundheitsleistungen sind kostenlos. Darüber hinausgehendes muss mit Arbeitsstundenmarken bezahlt werden. Unbeliebte Tätigkeiten werden mit mehr Arbeitsstundenmarken belohnt. Entscheidungen werden mit 75% Mehrheit in Räten gefällt.
  3. Anarcho-Kommunistische Föderation (AKF). Anarchokommunismus könnte „die“ planetare Utopie sein, jedoch wird sie hier nicht als planetares Ziel angestrebt, um Utopie-Vielfalt zu ermöglichen. Nach dem Übergang zur PP ist es möglich, dass diese sich über die Jahre zur AKF entwickelt. Konzept: Freiheit und Solidarität. Herrschaftsvermeidung durch Entscheidungsfindung von unten und föderale Struktur. Im Konsens gefällte Vereinbarungen geben Planungs- und Versorgungssicherheit. Entscheidungen werden möglichst lokal und barrierefrei gefällt. Individuelle und lokale Bedürfnisse können so gut berücksichtigt werden. In Konsument_innenräten, Produktionskollektiven und Koordinationskomitees werden gemeinsame Vereinbarungen für dezentrale Produktionsplanung und Tätigkeitsverteilung getroffen. Wenn mehr als lokale Menschen betroffen sind, geht die Entscheidung an regionale, überregionale oder planetare Komitees. In diese Komitees werden Leute mit imperativem Mandat (jederzeit absetzbar) und klarem Auftrag entsandt. Rotation der Delegierten kann statische Machtanhäufung verhindern. Alternativ kann Delegation über Werkzeuge des PI erfolgen. So braucht es Dank Internet keine tiefe Verschachtelung der Föderationsebenen und keine lokale Subsistenz wie in älteren Entwürfen. Z.B. High-Tech-Fabriken entstehen überregional durch zweckgebundene Vernetzung. Es gibt kein Eigentum, nur persönlicher Besitz zum Gebrauch. Konsumiert wird geld- und tauschfrei nach Bedarf (bei knappen Gütern wird auf Transparenz geachtet). Anfallende Tätigkeiten werden nach Interesse vergeben, unbeliebte Tätigkeiten gerecht verteilt. Alles ist freiwillig - jedoch kann unsolidarische Nichtbeteiligung zu Konflikten und unter Umständen zum Ausschluss führen.

Lokale Strukturen

In einem Haus können Leute verschiedener Netzwerke wohnen. Die meisten Menschen sind in einem Netzwerk organisiert. Dadurch treffen sie mit dem Netzwerk die Vereinbarung, sich an dessen Konzept zu halten. Menschen, die nicht in Netzwerken organisiert sind, leben entweder komplett autark oder haben Kooperationsvereinbarungen mit Netzwerken. Wenn bei Konflikten einzelner mit dem Netzwerk nach wiederholtem Verletzen gemeinsamer Vereinbarungen keine Klärung (unterschiedliche Methoden je nach Netzwerk) möglich ist, erfolgt der Ausschluss aus dem Netzwerk.

Regionale Koordination

sorgt für Überblick zwischen lokalen und regionalen Strukturen verschiedener Netzwerke und vermeidet so Ineffizienz durch Dopplung von Strukturen. Sie vernetzt für überregionale Projekte (z.B. größere Infrastrukturprojekte, spezialisierte Fertigungsstätten) und vermittelt bei Ressourcenkonflikten zwischen Netzwerken (z.B. Welches Netzwerk baut die Seltenen Erden ab? Sind Care-Tätigkeiten fair verteilt?).

Transformation

Wichtig ist die Anwesenheit des Ziels in den Mitteln. Weil gewaltvolle Umstürze unrealistisch geworden sind und oft Herrschaftsstrukturen erzeugen, sollte die Transformation gewaltfrei sein. Es ist eine Vielfalt an Methoden möglich und legitim - von reformistischen ersten Schritten wie Grundeinkommen, die neue Freiräume ermöglichen, bis zu Protesten und Sabotage. Wichtig ist der Aufbau lokaler und planetarer Strukturen als Parallel-Struktur zum jetzigen System. Diese Strukturen erstellen einen Plan zum stufenweisen strukturierten Umstieg in die PP. Dabei wird auch in wissenschaftlichen Studien unterschiedlichster Disziplinen geprüft, ob die Ideen realisierbar sind und wie die Sicherheit der Realisierbarkeit noch verbessert werden kann. Netzwerke, die bereit sind, die PV umzusetzen bilden sich. Auch PRs bilden sich. Z.B. der PR Klimaumbruch empfiehlt den Netzwerken aber auch bestehenden Regierungen wie viel CO2 sie ausstoßen dürfen und skandalisiert Verstöße. Einige „berühmte“ Leute sprechen sich öffentlich für die PP aus. Leute fühlen sich informiert, haben erste Erfahrungen mit PP-Parallel-Strukturen gemacht, sich Fähigkeiten zur Selbstorganisation und Konfliktlösung angeeignet und sind positiv gestimmt. Menschen ordnen sich im PI Netzwerken zu. Es wird klar, dass außerhalb des PP nicht viele Menschen bleiben, die bereit sind zu niedrigen Löhnen zu arbeiten. Die planetare Entscheidung über PI, ob der Umstieg gewagt werden soll, wird mit sehr großer Mehrheit angenommen. Der geplante und strukturierte Umstieg in die PP beginnt. Waffen werden vernichtet. Feierlich werden vorhandene Ressourcen und Produktionsanlagen anteilig nach Anzahl der Personen an die Netzwerke verteilt. Dieses Ritual wird alle 10 Jahre wiederholt. Eine Kultur der Verantwortung (z.B. PV-Verletzungen ansprechen, PV verletzende Netzwerke verlassen) und Kooperation etabliert sich. Folgende Generationen werden mit diesen Werten sozialisiert. Die PP entwickelt sich weiter.